
Was ein Doppeltourbillon ist
Ein Doppeltourbillon ist eine aufwendige Bauform des Tourbillons, einer Vorrichtung, bei der Hemmung und Unruh gemeinsam in einem drehbaren Käfig sitzen. Ziel des Tourbillons ist es, den Einfluss der Schwerkraft auf das Schwingsystem auszumitteln, indem sich der Käfig fortlaufend dreht und Lagefehler über die Zeit ausgleicht. Beim Doppeltourbillon wird dieses Prinzip durch eine zweite Rotation erweitert.
Für die Ausführung gibt es verschiedene Konzepte. In einer Variante rotiert ein innerer Käfig innerhalb eines zweiten, äußeren Käfigs, häufig um zwei zueinander geneigte Achsen. In einer anderen Variante besitzt das Werk zwei getrennte Tourbillons, deren Anzeige oder deren Kraftfluss miteinander verbunden ist. Beide Ansätze zählen zu den technisch anspruchsvollsten Konstruktionen des mechanischen Uhrenbaus.
Wie es wirken soll
Ein einfaches Tourbillon mittelt vor allem die Lagefehler in den senkrechten Positionen aus, weil sein Käfig meist in einer einzigen Ebene rotiert. Ein Doppeltourbillon mit geneigten oder mehreren Achsen soll darüber hinaus auch Zwischenlagen erfassen und den Gang so über einen größeren Bereich von Positionen vergleichmäßigen. Damit richtet sich die Konstruktion gegen Gangunterschiede, die entstehen, wenn eine Uhr über den Tag hinweg in wechselnden Lagen getragen wird.
Ob dieser theoretische Vorteil in der Praxis deutlich spürbar ist, wird unter Fachleuten unterschiedlich bewertet, zumal moderne Werkstoffe und Fertigungsverfahren die Ganggenauigkeit auch ohne Tourbillon hoch halten. Unstrittig ist der große konstruktive und handwerkliche Aufwand, der mit einer solchen Komplikation verbunden ist.
Bedeutung und Einordnung
Das Doppeltourbillon gilt als Ausweis feinuhrmacherischen Könnens und findet sich fast ausschließlich in hochpreisigen, in kleiner Stückzahl gefertigten Uhren. Der zusätzliche Käfig erhöht Gewicht und Reibung im Schwingsystem und stellt besondere Anforderungen an Konstruktion, Werkstoffe und Regulierung, weshalb solche Werke besonders aufwendig abgestimmt werden müssen. Solche Uhren entstehen meist in aufwendiger Handarbeit, werden nur in geringen Stückzahlen aufgelegt und gelten als Aushängeschild der jeweiligen Werkstatt.
Für Käufer und Besitzer steht bei einer solchen Uhr in der Regel weniger die messbare Ganggenauigkeit im Vordergrund als der technische und ästhetische Anspruch. Das offen gezeigte, sich mehrfach drehende Schwingsystem besitzt zudem einen ausgeprägten Schauwert und wird häufig durch eine entsprechende Gestaltung des Zifferblatts betont.