
Was der Gleitzaum ist
Der Gleitzaum ist das besonders geformte äußere Ende der Zugfeder in Uhren mit automatischem Aufzug. Statt fest in die Wand des Federhauses eingehängt zu sein, liegt dieses Ende nur mit Reibung an der Innenwand an. Der Gleitzaum ist dazu leicht gebogen oder mit einem angesetzten Federstück versehen, das sich gegen die Wand drückt und dort Halt findet.
Bei einer Handaufzugsuhr ist das äußere Federende dagegen fest verhakt, damit sich die Feder vollständig spannen lässt und ihre Kraft an einem festen Punkt abstützt. Der Gleitzaum unterscheidet die Zugfeder einer Automatikuhr somit baulich von der einer reinen Handaufzugsuhr. Ohne diese Besonderheit ließe sich ein Selbstaufzug nicht sinnvoll umsetzen.
Welche Funktion er erfüllt
Ein automatischer Aufzug spannt die Zugfeder bei jeder Bewegung des Handgelenks nach, auch dann, wenn sie bereits voll ist. Ohne Schutz würde die Feder dabei überspannt und könnte brechen oder die Ganggenauigkeit stören. Der Gleitzaum verhindert das, indem er wie eine Rutschkupplung wirkt und die maximale Spannung begrenzt. Man spricht deshalb auch von einer rutschenden Kupplung zwischen dem äußeren Federende und der glatten Innenwand des Federhauses.
Solange die Feder noch nicht voll gespannt ist, hält die Reibung des Gleitzaums das Federende sicher an der Wand fest, sodass die Kraft gespeichert wird. Erreicht die Feder ihre maximale Spannung, übersteigt die Zugkraft die Reibung, und der Gleitzaum rutscht ein Stück an der Wand weiter. So kann die Feder nie über ihr Maximum hinaus gespannt werden, gleich wie lange die Uhr getragen wird.
Einordnung
Der Gleitzaum ist damit eine einfache, aber wirkungsvolle Lösung für ein grundlegendes Problem des Selbstaufzugs. Er macht einen zusätzlichen Begrenzungsmechanismus überflüssig und schützt die Zugfeder dauerhaft vor Überlastung, ohne dass der Träger eingreifen müsste. In der Fachsprache wird dieses gleitende Federende zudem als Bride oder als Schleppfeder bezeichnet.
Damit er zuverlässig arbeitet, muss die Reibung genau abgestimmt sein. Ist sie zu gering, hält die Feder die Spannung nicht; ist sie zu hoch, rutscht der Zaum nicht rechtzeitig durch. Aus diesem Grund werden für Automatikwerke eigens dafür ausgelegte Zugfedern verwendet, und die Innenwand des Federhauses ist auf dieses Zusammenspiel abgestimmt.