Was die Impulsfläche ist
Als Impulsfläche bezeichnet man die glatte, meist polierte Kontaktfläche innerhalb einer Hemmung, über die Antriebsenergie an das schwingende System weitergegeben wird. In der weit verbreiteten Schweizer Ankerhemmung finden sich Impulsflächen sowohl an den Palettensteinen des Ankers als auch an den Zähnen des Hemmungsrads. Über sie wird der Kraftfluss aus dem Räderwerk kurzzeitig auf den Anker und weiter auf die Unruh geleitet.
Die Impulsfläche steht im Gegensatz zur sogenannten Ruhefläche, auf der ein Radzahn zwischenzeitlich blockiert liegt. Erst wenn die Unruh den Anker weiterbewegt, gleitet der Zahn von der Ruhe- auf die Impulsfläche und gibt dort seinen Antriebsstoß ab. Beide Flächen sind eng aufeinander abgestimmt; ihr Zusammenspiel bestimmt, wann und wie kräftig der Impuls erfolgt.
Wie der Impuls übertragen wird
Der Ablauf wiederholt sich mit jeder Halbschwingung der Unruh. Zunächst hält die Ruhefläche das Hemmungsrad fest, während sich die Unruh frei dreht. Löst die Hebelscheibe der Unruh den Anker aus, springt ein Radzahn frei und drückt über die Impulsfläche gegen die Palette. Diese Bewegung wird über die Ankergabel und den Hebelstein an die Unruh weitergereicht und ersetzt die Energie, die zuvor durch Reibung und Luftwiderstand verloren gegangen ist.
Weil an den Impulsflächen bei jedem Takt kleine, aber sehr häufige Reibvorgänge stattfinden, sind sie besonders hart und fein poliert ausgeführt. Die Palettensteine bestehen üblicherweise aus synthetischem Rubin, dessen glatte Oberfläche den Verschleiß gering hält und eine gleichmäßige Kraftübertragung ermöglicht. Auch die Kontaktkanten der Hemmungsradzähne sind entsprechend sorgfältig bearbeitet.
Warum sie wichtig ist
Geometrie und Zustand der Impulsflächen beeinflussen unmittelbar den Wirkungsgrad einer Hemmung und damit die Amplitude der Unruh. Sind die Flächen falsch geformt, verschmutzt oder trockengelaufen, sinkt die übertragene Energie, was sich in einer geringeren Amplitude und einem unregelmäßigen Gang äußern kann. An dieser Stelle entscheidet sich ein großer Teil der Effizienz eines Werks.
Bei der Fertigung und beim Service werden die Impulsflächen daher genau geprüft und mit einer sehr kleinen Menge geeigneten Öls versehen. Zu viel oder zu wenig Schmierstoff verändert das Verhalten spürbar, weshalb die richtige Ölung an dieser Stelle zu den anspruchsvollen Aufgaben der Uhrmacherei zählt und erfahrenen Fachkräften vorbehalten bleibt.