Uhren-Lexikon · Werk & Technik

Kugellager

Ein Wälzlager mit Kugeln zwischen zwei Laufringen, das in Uhren vor allem den Rotor des Automatikaufzugs reibungsarm lagert.

◷ 2 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten

Was ein Kugellager ist

Ein Kugellager gehört zur Gruppe der Wälzlager. Zwischen einem inneren und einem äußeren Laufring rollen mehrere Kugeln, die von einem Käfig auf gleichmäßigem Abstand gehalten werden. Weil die Kugeln abrollen statt zu gleiten, entsteht deutlich weniger Reibung als bei einem Gleitlager, bei dem zwei Flächen unmittelbar aufeinander laufen.

In der Uhrentechnik sind solche Lager sehr klein und werden aus gehärtetem Stahl, teils auch aus Keramik gefertigt. Keramikkugeln haben den Vorteil, dass sie korrosionsbeständig sind und mit wenig oder ganz ohne zusätzliche Schmierung auskommen. Die Maße solcher Lager liegen im Millimeterbereich, ihre Fertigung verlangt entsprechend hohe Präzision. Trotz ihrer geringen Abmessungen müssen die Laufflächen sehr glatt und maßhaltig sein, damit das Lager rund und leise läuft.

Einsatz im Automatikaufzug

Am häufigsten begegnet einem das Kugellager im Automatikwerk, wo es den schwingenden Rotor trägt. Der Rotor dreht sich bei jeder Armbewegung und spannt über ein Räderwerk die Zugfeder. Ein reibungsarmes Lager sorgt dafür, dass schon kleine Bewegungen den Rotor in Gang setzen und der Aufzug wirkungsvoll arbeitet. Da der Rotor bei jeder Bewegung des Handgelenks anläuft, summieren sich über den Tag viele Umdrehungen, die das Lager aufnehmen muss.

Früher liefen viele Rotoren auf einem Gleitlager, das einfacher aufgebaut, aber anfälliger für Verschleiß ist. Das Kugellager gilt als robuster und wartungsärmer, ist konstruktiv jedoch aufwendiger. Bei einer Revision wird es gereinigt und auf Spiel geprüft, da ein ausgeschlagenes Lager den Rotor unrund laufen lässt. Ein leichter und gleichmäßiger Lauf des Rotors gilt daher als Merkmal eines gut gewarteten Automatikwerks.

Weitere Anwendungen und Grenzen

Über den Rotor hinaus kommen Kugellager in Uhren eher selten vor, etwa in einzelnen Baugruppen mit stark bewegten Teilen. Das eigentliche Räderwerk und die Unruh laufen dagegen in Stein- oder Zapfenlagern, weil dort andere Anforderungen an Reibung und Genauigkeit gelten.

Ein Kugellager ist kein Beleg für Qualität an sich; entscheidend sind Ausführung, Material und ein sauberer Einbau. Verschmutzung oder verharztes Öl können auch ein gutes Lager schwergängig machen, weshalb regelmäßige Pflege wichtig bleibt. Erst im Zusammenspiel mit dem übrigen Werk zeigt sich sein Nutzen. Ein Kugellager verlängert nicht von allein die Wartungsabstände, sondern ist Teil eines abgestimmten Aufbaus, dessen Gesamtzustand über die Zuverlässigkeit entscheidet.

Häufige Fragen

Wo sitzt in einer Uhr meist ein Kugellager?

In den allermeisten Fällen im Automatikwerk, wo es den Aufzugsrotor lagert. Dort ersetzt es das ältere Gleitlager und lässt den Rotor besonders leichtgängig drehen.