Was ein Lagenfehler ist
Ein Lagenfehler bezeichnet den Umstand, dass eine mechanische Uhr je nach ihrer räumlichen Lage unterschiedlich schnell läuft. Liegt die Uhr mit dem Zifferblatt nach oben, geht sie unter Umständen etwas anders als hochkant mit der Krone nach unten. Diese Abweichungen zwischen den einzelnen Lagen fasst der Begriff zusammen. Er beschreibt also nicht einen einzelnen Fehler, sondern die Differenz zwischen verschiedenen Positionen.
Der Grund liegt in der Schwerkraft, die auf das schwingende System aus Unruh und Spiralfeder wirkt. Je nach Ausrichtung verändert sich das Zusammenspiel der Kräfte geringfügig, wodurch sich die Schwingungsdauer und damit der Gang minimal verschieben. Auch die Reibung an den Lagern der Unruh spielt dabei eine Rolle. In liegenden Lagen ruht die Unruhwelle anders als in hängenden, was sich auf die Schwingung auswirkt.
Prüfung und Regulierung
Um den Gang einer Uhr zu beurteilen, wird sie in mehreren Lagen gemessen. Üblich sind Positionen wie Zifferblatt oben, Zifferblatt unten sowie verschiedene senkrechte Stellungen mit der Krone nach oben, unten oder zur Seite. Aus dem Vergleich dieser Messwerte ergibt sich, wie groß der Lagenfehler ausfällt. Häufig werden dafür fünf oder sechs verschiedene Lagen herangezogen.
Uhrmacher versuchen, die Unterschiede möglichst gering zu halten. Dazu wird unter anderem die Unruh sorgfältig ausgewuchtet und die Spiralfeder passend gestaltet. Ganz beseitigen lässt sich der Lagenfehler bei einer üblichen Unruh jedoch nicht; er lässt sich nur so weit wie möglich verringern. Ein gleichmäßig hoher Schwingungsausschlag, die sogenannte Amplitude, trägt ebenfalls dazu bei, die Lagenunterschiede klein zu halten.
Bedeutung in der Praxis
Für den Alltag ist der Lagenfehler einer der Gründe, warum eine Uhr an verschiedenen Tagen unterschiedlich genau erscheinen kann. Wer viel sitzt oder die Uhr nachts stets in derselben Position ablegt, kann durch die Wahl der Ablageposition sogar bewusst gegensteuern, etwa um einen leichten Vorlauf auszugleichen. Der Gang hängt somit auch davon ab, wie eine Uhr im Tagesverlauf bewegt und abgelegt wird.
Auch anerkannte Gangprüfungen berücksichtigen den Lagenfehler, indem sie den Gang in mehreren Positionen innerhalb festgelegter Grenzen fordern. Ein geringer Lagenfehler gilt als Zeichen einer sorgfältigen Regulierung, ist aber nur einer von mehreren Faktoren, die die Ganggenauigkeit einer Uhr bestimmen. Neben ihm wirken sich unter anderem Temperatur und der Zustand des Werks auf den Gang aus.