Was das Minutenrohr ist
Das Minutenrohr, auch Minutenradtrieb genannt, ist ein dünnwandiges Rohr mit angeschnittenem Trieb, das an seiner Oberseite den Minutenzeiger trägt. Es sitzt auf der Achse des Zentrumrads oder eines eigenen Zentrumtriebs und dreht sich einmal in der Stunde. Damit bildet es das unmittelbare Bindeglied zwischen dem laufenden Räderwerk und der Minutenanzeige auf dem Zifferblatt.
Entscheidend ist die Art der Befestigung. Das Minutenrohr sitzt nicht starr, sondern reibschlüssig auf seiner Achse. Diese sogenannte Friktion ist so bemessen, dass die Kraft des Räderwerks das Rohr im normalen Betrieb sicher mitnimmt, es sich beim Zeigerstellen von Hand aber gegen die Achse verdrehen lässt. Ohne diese Reibung wäre ein Verstellen der Zeiger nicht möglich.
Antrieb des Stundenzeigers
Über das Minutenrohr wird auch die Stundenanzeige abgeleitet. An seinem unteren Ende greift es in das Wechselrad, das die Drehbewegung im Verhältnis von zwölf zu eins untersetzt und darüber das Stundenrad antreibt. Auf diese Weise dreht sich der Stundenzeiger genau einmal in zwölf Stunden, während der Minutenzeiger in derselben Zeit zwölf volle Umläufe zurücklegt.
Die Baugruppe aus Minutenrohr, Wechselrad und Stundenrad wird als Zeigerwerk oder Wechselwerk bezeichnet. Sie sitzt auf der Zifferblattseite des Werks, also zwischen dem eigentlichen Räderzug und dem Zifferblatt. Das Stundenrad ist dabei als Hohlrad ausgeführt und läuft konzentrisch über dem Minutenrohr, sodass beide Zeiger auf derselben Achse übereinander angeordnet sind.
Bedeutung in der Praxis
Die richtige Einstellung der Friktion gehört zu den Standardarbeiten bei einer Revision. Sitzt die Reibung zu locker, können die Zeiger dem Antrieb nachlaufen oder bei Erschütterungen stehen bleiben, was zu Gangabweichungen führt. Sitzt sie zu fest, wird das Zeigerstellen schwergängig und belastet das Räderwerk unnötig. Ein verschlissenes oder verschmutztes Minutenrohr wird daher gereinigt, nachgestellt oder ersetzt.
Die Friktion selbst entsteht meist dadurch, dass das Rohr an einer eingestochenen Rille leicht eingezogen oder geschlitzt ist und dadurch federnd auf der Achse klemmt. Mit den Jahren kann diese Klemmung nachlassen, etwa durch Verschleiß oder durch altes, verharztes Öl an der Kontaktstelle. Ein typisches Anzeichen ist eine Uhr, die trotz laufendem Werk falsche Zeit anzeigt, weil die Zeiger nicht mehr sauber mitgenommen werden. Beim Zeigerstellen ist zudem spürbar, ob die Reibung passend eingestellt ist, denn der Widerstand sollte gleichmäßig und weder zu leicht noch zu schwer sein.