Uhren-Lexikon · Material

Edelstahl 316L

Nichtrostender Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl mit niedrigem Kohlenstoffgehalt, der am häufigsten für Uhrengehäuse verwendet wird.

◷ 2 Min. Lesezeit · ✓ Von der Uhren-Experte-Redaktion geprüft · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026 · Wie wir arbeiten
Edelstahl 316L: Uhrenstahl erklärt
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Was Edelstahl 316L ist

Edelstahl 316L ist ein nichtrostender, austenitischer Stahl, der neben Eisen vor allem Chrom, Nickel und Molybdän enthält. Das angehängte L steht für den niedrigen Kohlenstoffgehalt, englisch low carbon. Dieser geringe Kohlenstoffanteil verbessert die Korrosionsbeständigkeit und erleichtert das Verschweißen, weil sich weniger unerwünschte Karbide an den Korngrenzen bilden. Austenitische Stähle wie dieser sind nicht härtbar wie Werkzeugstähle, dafür aber sehr korrosionsbeständig und zäh.

In der Uhrenindustrie ist 316L der am weitesten verbreitete Stahl für Gehäuse, Böden, Kronen und Armbänder. Er lässt sich gut zerspanen, polieren und satinieren und bietet eine ausgewogene Kombination aus Festigkeit, Beständigkeit, Hautverträglichkeit und Verfügbarkeit, was ihn zum Standardwerkstoff für Stahluhren gemacht hat. Weil er weltweit verfügbar und gut genormt ist, lässt er sich zuverlässig in gleichbleibender Qualität beschaffen.

Eigenschaften

Das enthaltene Chrom bildet an der Oberfläche eine dünne, selbstheilende Passivschicht, die den Stahl vor Rost schützt. Das Molybdän erhöht zusätzlich die Beständigkeit gegen Lochkorrosion, wie sie durch Chloride etwa in Salzwasser oder Schweiß entstehen kann. Deshalb eignet sich 316L auch gut für Uhren, die häufig mit Wasser in Kontakt kommen. Diese Eigenschaften erklären, warum sich der Stahl über Jahrzehnte als Standard im Uhrenbau durchgesetzt hat.

Der Stahl enthält Nickel, was bei einer ausgeprägten Nickelallergie zu beachten ist, auch wenn die Nickelabgabe bei dieser Legierung gering ausfällt. Als austenitischer Stahl ist 316L zudem weitgehend antimagnetisch. Wegen seiner guten Verträglichkeit wird er auch außerhalb der Uhrenwelt eingesetzt und umgangssprachlich als chirurgischer Stahl bezeichnet.

Einordnung

Neben 316L kommt in der Uhrenwelt auch der höherlegierte Stahl 904L vor, der von einzelnen Herstellern verwendet und dort teils unter einem eigenen Handelsnamen geführt wird. Er gilt als noch korrosionsbeständiger, ist aber aufwendiger zu verarbeiten. Für die große Mehrheit der Uhren bleibt 316L jedoch der bewährte Standard.

Im Vergleich zu Titan ist 316L schwerer, lässt sich dafür aber hochglänzend polieren und ist unkompliziert im Nachbearbeiten. Kratzer lassen sich bei einem Service in vielen Fällen wieder herausarbeiten, wobei dabei stets etwas Material abgetragen wird und die Kanten mit der Zeit weicher werden können. Wie oft ein Gehäuse aufgearbeitet werden kann, ist daher nicht unbegrenzt, sondern hängt vom vorhandenen Material ab.

Häufige Fragen

Wofür steht das L in 316L?

Das L steht für den niedrigen Kohlenstoffgehalt, englisch low carbon. Er verbessert die Korrosionsbeständigkeit und die Schweißbarkeit des Stahls gegenüber der Variante ohne L.

Ist Edelstahl 316L für Allergiker geeignet?

Der Stahl enthält Nickel, gibt davon aber nur wenig ab. Für die meisten Menschen ist er gut verträglich. Bei starker Nickelallergie kann dennoch eine Reaktion auftreten.