
Was Emaille ist
Emaille, auch Email geschrieben, ist ein glasartiger Überzug, der durch das Aufschmelzen von fein gemahlenem Glaspulver auf einen metallischen Träger entsteht. Als Untergrund dienen meist Kupfer oder Gold. Beim Brennen im Ofen schmilzt das Pulver und verbindet sich fest mit dem Metall zu einer harten, glänzenden Schicht. Das Material ist im Kern also Glas, das dauerhaft mit dem Metall verschmolzen wird.
Im Uhrenbau wird Emaille vor allem für Zifferblätter verwendet. Ihre Wertschätzung verdankt sie der Farbtiefe und der Beständigkeit: Ein Emailzifferblatt vergilbt nicht und bleicht auch unter Lichteinfluss über sehr lange Zeiträume kaum aus. Der Herstellungsaufwand ist jedoch hoch, und die Zahl der Werkstätten, die diese Technik beherrschen, ist begrenzt, weshalb solche Blätter als besonders hochwertig gelten.
Techniken und Herstellung
Beim sogenannten Grand Feu, dem Großfeueremail, wird das Blatt bei hohen Temperaturen gebrannt, häufig in mehreren Schichten und Durchgängen. Jeder Brand birgt das Risiko von Rissen oder Blasen, weshalb ein Teil der Rohlinge verworfen werden muss. Diese Ausschussgefahr sowie die vielen aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte erklären den erheblichen Aufwand solcher Zifferblätter.
Verschiedene Techniken erlauben farbige Muster. Beim Cloisonné werden dünne Golddrähte zu Stegen gebogen, die einzelne Farbfelder voneinander trennen. Beim Champlevé werden Vertiefungen in das Metall gearbeitet und mit Email gefüllt. Das Flinqué-Verfahren wiederum lässt ein zuvor graviertes Muster unter durchscheinendem Email sichtbar bleiben und erzeugt so einen changierenden Schimmer.
Bedeutung und Pflege
Emaillezifferblätter gelten als handwerklich aufwendig, weil viele Arbeitsschritte von Hand ausgeführt werden und Erfahrung erfordern. Kleine Unregelmäßigkeiten sind Teil des Charakters und weisen auf die manuelle Fertigung hin. Die Technik hat eine lange Tradition, die bis in frühe Epochen der Uhrmacherei zurückreicht, und wird heute nur noch von wenigen Spezialisten in vollem Umfang beherrscht.
Im Alltag ist Emaille hart und kratzfest, zugleich aber spröde. Ein heftiger Stoß kann die Glasschicht springen lassen oder absplittern, was sich kaum unsichtbar ausbessern lässt. Uhren mit Emailzifferblatt sollten daher vor starken Schlägen geschützt werden. Ansonsten behält ein solches Zifferblatt sein Aussehen über Jahrzehnte hinweg nahezu unverändert. Bei der Beurteilung eines Emailzifferblatts achten Kenner auf gleichmäßige Farbe und saubere Ränder. Kleine, nur bei genauem Hinsehen erkennbare Spuren der Handarbeit gelten dabei nicht als Fehler, sondern als Zeichen der Fertigungsweise.