Was der Rechenschieber an der Uhr ist
Ein Rechenschieber, englisch slide rule, ist an einer Uhr eine logarithmische Skala, mit der sich Multiplikationen, Divisionen und Umrechnungen ausführen lassen. Üblicherweise besteht er aus einer drehbaren Lünette mit einer Skala, die gegen eine feste Skala am Zifferblattrand arbeitet. Durch Verdrehen der Lünette werden die beiden Skalen gegeneinander verschoben und zueinander in Bezug gesetzt.
Das Prinzip entspricht dem klassischen Rechenschieber aus dem technischen Alltag, nur ringförmig angeordnet. Weil die Skalen logarithmisch geteilt sind, lässt sich eine Multiplikation als Addition von Skalenabschnitten darstellen. Das Ergebnis wird an der passenden Stelle der gegenüberliegenden Skala abgelesen, wobei man die Größenordnung des Resultats selbst mitdenken muss, da die Skala nur die Ziffernfolge liefert. Wer damit rechnet, sollte die ungefähre Größe des Ergebnisses im Kopf behalten, um Kommafehler zu vermeiden und die abgelesene Ziffernfolge richtig einzuordnen.
Wofür er genutzt wird
Bekannt geworden ist der Rechenschieber vor allem an Fliegeruhren. Piloten konnten damit Aufgaben wie Geschwindigkeit, Flugzeit, Distanz, Treibstoffverbrauch oder Steig- und Sinkraten überschlagen, bevor elektronische Rechner verbreitet waren. Auch Maß- und Währungseinheiten lassen sich umrechnen, etwa Meilen in Kilometer oder Liter in Gallonen, was auf Reisen und im Cockpit praktisch war.
Für die Bedienung dreht man die bewegliche Skala so, dass zwei bekannte Werte einander gegenüberstehen. An anderer Stelle der Skala lässt sich dann das gesuchte Ergebnis ablesen. Eine gewisse Übung ist nötig, außerdem liefert das Verfahren Näherungswerte, deren genaue Größenordnung der Anwender selbst einschätzen muss, da die Skala den Zehnerbereich der Zahl nicht anzeigt.
Einordnung
Ein prominentes Beispiel für eine Uhr mit Rechenschieber ist die Breitling Navitimer. Das dicht beschriftete, mehrskalige Zifferblatt gilt als charakteristisches Merkmal dieser Bauart und prägt bis heute das Bild der klassischen Fliegeruhr. Die enge Teilung der vielen Skalen begrenzt allerdings die Ablesegenauigkeit spürbar, weshalb feine Zwischenwerte schwer genau zu bestimmen sind.
Heute ist der praktische Nutzen des Rechenschiebers durch elektronische Hilfsmittel weitgehend abgelöst. Als gestalterisches und funktionales Merkmal prägt er dennoch weiterhin viele Fliegeruhren und wird als Teil ihrer Geschichte geschätzt. Für viele Träger ist er eher ein charakteristisches Detail als ein täglich genutztes Werkzeug, das aber die Verbindung zur Fliegerei sichtbar hält.