Was der Temperaturgang ist
Der Temperaturgang bezeichnet die Veränderung der Ganggenauigkeit einer Uhr, die allein durch Temperaturschwankungen hervorgerufen wird. Steigt oder fällt die Temperatur, so ändern sich die Abmessungen der Bauteile geringfügig und vor allem die Elastizität der Spirale. Da die Spirale gemeinsam mit der Unruh den Takt vorgibt, wirkt sich eine veränderte Federhärte unmittelbar auf die Schwingdauer und damit auf den Gang aus.
Wärme führt in der Regel dazu, dass die Spirale weicher wird und die Uhr langsamer geht, Kälte umgekehrt. Historisch war der Temperaturgang eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu genauen Uhren, weil schon geringe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht oder zwischen Handgelenk und Umgebung spürbare Abweichungen verursachten.
Historische und moderne Lösungen
Um den Temperaturgang zu verringern, wurde früher die Kompensationsunruh entwickelt, ein aus zwei Metallen zusammengesetzter, geschlitzter Unruhreif, der sich bei Temperaturänderung so verformt, dass er den Einfluss auf die Spirale teilweise ausgleicht. Diese Bauweise war aufwendig und konnte den Fehler nur begrenzt korrigieren, prägte aber lange die Fertigung genauer Uhren.
Ein grundlegender Fortschritt gelang mit temperaturunempfindlichen Legierungen für die Spirale, deren Elastizität sich über einen weiten Temperaturbereich kaum ändert. Solche Werkstoffe machten die aufwendige Kompensationsunruh weitgehend überflüssig. In neuerer Zeit tragen zusätzlich Spiralen aus Silizium dazu bei, den Temperatureinfluss und weitere Störgrößen gering zu halten.
Prüfung und Bedeutung
Weil der Temperaturgang für die Genauigkeit wichtig ist, gehört die Messung bei verschiedenen Temperaturen zu den üblichen Bestandteilen einer Ganggenauigkeitsprüfung. Dabei wird der Gang typischerweise bei niedriger und bei erhöhter Temperatur ermittelt, um die Abhängigkeit zu bestimmen. Für den Alltag bedeutet ein geringer Temperaturgang, dass eine Uhr im Sommer wie im Winter und bei wechselnden Trageverhältnissen möglichst gleichmäßig läuft.
Bei modernen Uhren mit temperaturstabilen Spiralen fällt der Temperaturgang meist gering aus und tritt im Alltag kaum spürbar hervor. Größere Temperaturunterschiede, wie sie etwa zwischen dem Tragen am Handgelenk und dem Ablegen in einer kühlen Umgebung entstehen, können den Gang jedoch weiterhin leicht beeinflussen. Der Temperaturgang ist damit nur eine von mehreren Einflussgrößen auf die Ganggenauigkeit, neben der Lage der Uhr, dem Aufzugszustand und dem Einfluss von Magnetismus. Für die Beurteilung einer Uhr wird er daher stets im Zusammenhang mit diesen weiteren Faktoren betrachtet.